Das Konzert


Was vor vielen Jahren als fixe Idee an entgegengesetzten Enden der Welt in Straßburg und Moskau begann, wird am 21. August in der Stadt St.Gallen Realität.
Alle 118 Kirchenglocken von 29 Kirchtürmen erklingen in einer Komposition von Natalija Marchenkova Frei und Karl Schimke. Am zentralen Hörort ist die Musik koordiniert zu hören, an jedem anderen Punkt in der Stadt eine Variation davon.

Die Stadt St.Gallen erstreckt sich in einer Länge von über 16 Kilometern zwischen zwei Hügeln. Bis der Klang der Glocken den zentralen Hörort erreicht, können bis zu 20 Sekunden vergehen. Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Reaktionszeiten der Glockenspieler haben weiteren Einfluss auf die Dauer des Schalls. Alle diese Faktoren fliessen in die eigens für das Konzert entwickelte Steuerungssoftware ein.

Es gibt hier so viele versteckte Schönheiten und Jahrhunderte alte Kulturgüter – die wollen wir ins Bewusstsein rufen, hörbar machen und ein einmaliges Klangerlebnis schaffen.Karl Schimke

St. Gallens Kirchenglocken


In St.Gallen gibt es 29 Kirchen und Kapellen mit 118 Glocken. Sie stehen für die lange und bewegte Geschichte und den kulturhistorischen Reichtum der Stadt.

Über 150 Tonnen Bronze sind in den Kirchenglocken der 29 Kirchen und Kapellen verarbeitet. In der St.Galler Kathedrale, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, erklingt die älteste Glocke. Die Armenseelen- Glocke wurde im Jahr 1616 gegossen. Am gleichen Ort findet sich die grösste Glocke, die Dreifaltigkeitsglocke. Sie allein wiegt 7500 Kilogramm. Die kleinste Glocke St.Gallens, die Wolfgangkapellen-Glocke, wiegt nur 25 Kilogramm.

Die Glocken erklingen vom tiefen E in der St.Galler Kathedrale bis zum hohen as2 in der Maria Einsiedeln Kapelle. Zwei Oktaven können vollständig mit den Glocken gespielt werden, darüber hinaus fehlen jedoch einige Töne. Für die Komposition stellt dies eine Herausforderung dar. Sie kann jedoch auf zahlreiche unterschiedliche Klangfarben der Glocken zurückgreifen. Diese changieren zwischen dumpf und wuchtig und metallen und klar. Für das Klangarchiv wurden alle Glocken aufgenommen.

Technik


Die langgezogene Lage der Stadt im schmalen Tal zwischen zwei Hügeln hat zur Folge, dass die weiteste Entfernung zwischen den Glocken 16,31 Kilometer beträgt, vom ev.-ref. Kirchgemeindehaus Winkeln bis zur ökumenischen Gemeinde Halden.

Um die Glocken am zentralen Hörort gleichzeitig und in koordinierter Abfolge hörbar zu machen, ist eine ausgefeilte Technik notwendig.

Die Softwarefirma Namics AG und die Kirchenturmtechnik Muff AG ermöglichen gemeinsam die punktgenaue Steuerung der 118 Glocken.
Das Traditionsunternehmen Muff Kirchentechnik AG zeichnet sich für die Mehrheit der Glockensteuerungen in St.Gallen verantwortlich. Zusammen mit Bernd Jansen und seinen Mitarbeitern, alle Spezialisten der in der Stadt ansässigen Softwarefirma Namics AG, wurden Lösungen entwickelt, wie die Glocken am 21. August koordiniert zum Klingen gebracht werden können.

Die Herausforderung liegt in der Notwendigkeit grosse Distanzen, Umwelteinflüsse, verschiedene Schlagtechniken der Glocken und den Faktor Mensch bei der Steuerung zu berücksichtigen. Bis der Schall von der am weitesten vom Hörort entfernten Kirche im Westen der Stadt bis zu den Zuhörern gelangt, vergehen ca. 20 Sekunden. Beeinflusst wird die Schallgeschwindigkeit zusätzlich von der Lufttemperatur, der Luftfeuchtigkeit, dem Luftdruck und den Windverhältnissen. Je höher die Temperatur, desto schneller ist der Schall. Zudem gibt es in den Glockentürmen vier verschiedene Techniken, wie die Glocken angeschlagen werden.

In vier Kirchen werden die Glocken computergesteuert zum Klingen gebracht. Die Techniker bauen in diesen Fällen Raspberry Pi Minicomputer als Schnittstelle ein. Andere Glocken werden mit einem Fall-Schlag-Hammer manuell angeschlagen. Die freiwilligen Mitwirkenden des Projekts erhalten auf Ihrem Mobiltelefon einen Countdown und ein Signal zum Auslösen und Stoppen des Schlages. In vielen Kirchen werden die Klöppel mittels einer Konstruktion angebunden und dann wiederum mit Hilfe des Signals aus dem Smartphone manuell gelöst.

Bei allen manuellen Steuerungen werden die Reaktions- und Umsetzungszeiten gemessen, die von der Auslösung des Signals bis zum Klang der Glocke vergehen. Da dies bei jeder Glocke und jedem Mensch unterschiedlich ist, muss diese Messung pro Spieler und Glocke durchgeführt werden und in die Steuerungssoftware eingegeben werden. In sieben Kirchen können die Glocken nur manuell geläutet werden. Das Signal dazu wird ebenfalls von einem Smartphone kommen.


Team


Komposition:
Natalija Marchenkova Frei
Komposition und Organisation: Karl Schimke
Programmierung: Bernd Jansen, Namics AG
Intendant Wirkraumkirche: Theodor Pindl
Gestaltung: Roland Stieger, tgg
Medienarbeit: Ann Katrin Cooper, pARtner
Fotos: Klaus Stadler
Website: René Schwarz

Natalija Marchenkova Frei

Natalija Marchenkova wurde 1965 in Moskau geboren. Bereits im Alter von sieben Jahren komponierte Natalija ihr erstes Werk. Im zweiten Jahr an der Musikschule in Lemberg gewann sie ihren ersten Kompositionswettbewerb. 1980 begann ihr Studium an der musikpädagogischen Akademie, das sie mit Auszeichnung absolvierte. Sie entschloss sich zur Aufnahmeprüfung am Konservatorium für die Kompositionsfakultät. Nach dem Abschluss wurde sie in den Komponistenverband aufgenommen und bildete sich am Mozarteum in Salzburg bei Prof. Febel weiter. Nach der Integration in der Schweiz und dem Kennenlernen der schweizerischen Kultur und Bräuche wurden ihre Kompositionen erweitert, offener, farbenfroh und moderner.
Nach ihrer Einbürgerung gründete sie das Festival «Klassik trifft Tradition».
Neben ihrer Tätigkeit als Komponistin arbeitet Natalija Marchenkova Frei auch als Musikpädagogin. Sie führt ihre «Kreative Musikschule DAR» in St. Gallen und unterrichtet mit einem eigens entwickelten Unterrichtssystem.
2015 wurde sie Preisträgerin des Kompositionswettbewerbes «St. Gallen tönt» mit der Uraufführung am 6.6.2016 um 11.00 Uhr im ganzen Kanton. Seit Anfang 2015 entwickelt sie gemeinsam mit Karl Schimke die Idee für eine Komposition aller Glocken der Stadt St.Gallen und arbeitet seitdem im Projekt «Zusammenklang» an der Umsetzung.

Karl Schimke

Karl Schimke wurde 1971 in Boston geboren. Nach seinem Tuba-Studium an der Northwestern University legte er seine Konzertreifeprüfung am Konservatorium in Zürich ab. Im Anschluss war er zunächst freischaffend als Tubist im Tonhalle Orchester Zürich und dem Berner Sinfonie Orchester tätig, bis er 1996 Solo-Tubist des Sinfonieorchesters St.Gallen wurde. Im Jahr 2011 schloss er seinen Master of Advanced Studies in Musikvermittlung und Konzertpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste ab.
Als Kommunikator des Sinfonieorchesters St.Gallen entwickelt er Konzertformate für Kinder und Jugendliche. Im Rahmen von Schulhauskonzerten bringt er Vermittlungsprogramme direkt in die Schulen im Kanton St.Gallen. In der Tonhalle St.Gallen führt er mit dem Sinfonieorchester St.Gallen junge Menschen an die Werke grosser sinfonischer Meister heran. Neben seiner Arbeit für das Sinfonieorchester St.Gallen komponiert und spielt er Theatermusik für verschiedene Produktionen, organisierte und entwickelte das Projekt «Social Sound Organism» in der Lokremise St.Gallen und initiierte und organisierte die Aktion «St.Gallen tönt», die ein Zeichen für die Musik im Kanton St.Gallen setzte. Mit seiner Frau und den beiden Töchtern lebt Karl Schimke in St.Gallen.


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+41 (0)71 222 8216
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Redaktion
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